Die Fahrradbranche eilte zuletzt von Hoch zu Hoch und ist mit Blick auf Umsätze und Beschäftigungszahlen in dieser Zeit ein global noch wichtigerer Wirtschaftszweig geworden. Zuletzt normalisierte sich der Markt. Die Branche zeigt sich mittelfristig hoch-optimistisch, insbesondere weil das Radfahren weiterhin beliebter wird. So resümieren die internationalen Experten auf der Wirtschaftspressekonferenz im Rahmen der Fahrrad- und Future Mobility-Leitmesse Eurobike. Diese wurde heute in Frankfurt am Main eröffnet.

    Das eigentliche Produkt der Branche ist das Radfahren selbst. Dessen Popularität scheint keinen Abriss zu nehmen, sagt Kevin Mayne, Teilnehmer der Pressekonferenz und CEO des Verbandes Cycling Industries Europe (CIE): „Die wirtschaftliche Grundlage unserer Branche ist in ei‐ nem fantastischen Zustand. Die Regierungen auf allen Ebenen – auf EU-, nationalem, kommunalem und regionalem Level – investieren, wodurch jedes Jahr etwa sieben Prozent neue Radfahrer hinzukommen. Die Radfahrer, die wir während der Pandemie geschaffen haben, fahren weiterhin. Dadurch, dass die Menschen wieder vermehrt ihre Arbeitsstätten aufsuchen, steigt die Zahl der täglichen Radfahrer sogar noch weiter an. Das Wachstum ist nicht so hoch wie während der Pandemie, aber das ist echte Marktentwicklung. Andere Branchen schauen neidisch auf das Radfahren, nirgendwo sonst in der Mobilität und im Tourismus gibt es solche Zahlen.“ 

    Laut CIE dürfte es noch eine Weile dauern, bis die Millionen von Fahrrädern, die in den Pandemiejahren 2020, 2021 und bis hinein in 2022 gekauft wurden, ersetzt wer‐ den. Die Fahrradindustrie sah sich in den letzten Jahren mit einer hohen Nachfrage konfrontiert, die pandemiebedingt kaum vom Angebot gedeckt werden konnte. Nicht nur in Deutschland präsentiert sich inzwischen eine andere Situation. Hierzulande ist die Saison verhalten gestartet, be‐ gründet durch wechselhaftes Wetter bis in den Mai hinein, die Inflation und gestiegene Energiekosten. Mittlerweile bessert sich diese Situation, die Verbraucher profitieren von einer breiten Auswahl im Handel in einem wettbewerbsintensiven Marktumfeld. 

    Nach schwindelerregenden Wachstumszahlen der Fahrradbranche in den zurückliegenden Jahren, befindet sich die Branche in einer Korrektur-Phase, Angebot und Nach‐ frage müssen sich neu einpendeln. Am wichtigen Industriestandort Taiwan ist die Lage vor allem für Hersteller von niedrig- und mittelpreisigen Fahrrädern und E-Bikes des‐ halb zum Teil dürftig. Deborah Wu, Managing Director beim Kettenhersteller KMC Global GmbH ordnet die Situation ein: „In den letzten drei Jahren sah sich der globale Fahrradmarkt mit einem unerwartet schnellen Nachfragewachstum, Unterbrechungen der Lieferketten und Überbeständen konfrontiert und nun formt sich der Markt neu. Für die Ziele, die Fahrradverkäufe und die mit dem Fahrrad zu‐ rückgelegten Kilometer der Endverbraucher zu erhöhen, spielen die Lieferketten eine wichtige Rolle. Die Globalisierung, der Wandel zu nachhaltigen und intelligenten Prozessen und die derzeitige Bestandsflut stellen Herausforderungen für diese komplexen Systeme dar. Aber die Marktnachfrage und das Angebot werden sich wieder normalisieren und die meisten Marktteilnehmer die derzeitigen Probleme überwinden können.“ 

     

    Wirtschaftspressekonferenz Eurobike 2023 Moderatrion Frank Puscher, Kevin Mayne, CEO Cycling Industries Europe, Deborah Wu, Managing Director KMC Global GmbH, Manuel Marsilio, General Manager Confederation of the European Bicycle Industry ( CONEBI), Stefan Reisinger, Geschäftsführer fairnamic GmbH / Foto: Fairnamic

    Für den künftigen Erfolg muss die Branche einige disruptive Entwicklungen im Auge behalten. Neue Verbraucherbedürfnisse wie Sharing- und Abo-Modelle gilt es zu bedienen und mit branchenfremden Akteuren, etwa aus dem Automotive-Sektor, umzugehen. In den Nuancen der wirtschaftlichen Entwicklung der Branche lassen sich auch nach den Quantensprung-Jahren weiterhin positive Trends ausmachen. Vor allem E-Bikes bringen die Gesamtwirtschaft im Hinblick auf Jobs und Investments voran. Die Politik beobachtet diesen Trend genau. 

    Der europäische Fahrradmarkt ist der global betrachtet wertvollste Markt, so Manuel Marsilio, Geschäftsführer der Konföderation der europäischen Fahrradindustrie (Conebi): „Trotz der Verlangsamung der Fahrradverkäufe in Europa im Jahr 2022 ist der Gesamttrend der Branche und des Marktes positiv: Der Verkauf von E-Bikes stieg um fast neun Prozent und die Produktion um 19 Prozent im Vergleich zu 2021. Der Umsatz mit Fahrrädern und E-Bikes wuchs um mehr als sieben Prozent, die Investitionen stiegen um mehr als 14 Prozent und die direkten und indirekten Arbeitsplätze erreichten das Rekordniveau von 190.000.“ 

    Mit Blick auf die Beschäftigung profitieren auch industrieferne Sektoren wie der Tourismus von Fahrrädern und E- Bikes. In Deutschland arbeiteten beispielsweise laut einem Bericht der Agentur T3 2022 rund 63.000 Menschen in den Sektoren Herstellung, Handel und Dienstleistungen. Hinzu kamen 263.000 Stellen im Bereich des Fahrradtourismus. 

    Die Fahrradbranche ist eine ernst zu nehmende Größe ge‐ worden und ist mit der Eurobike inmitten Europas gut repräsentiert. 80 Prozent der in Europa verkauften E-Bikes werden auch hier montiert. Stefan Reisinger vom Eurobike-Veranstalter fairnamic GmbH resümiert mit Verweis auf das internationale Teilnehmerfeld aus über 1900 Ausstellern: „Die Eurobike ist inmitten Europas – dem global führenden Markt für die Nutzung hochwertiger Räder, E-Bikes und Leichtelektrofahrzeuge – ausgezeichnet platziert. Wir bieten der Future Mobility-Branche in Frankfurt am Main die richtige Kulisse, um den Siegeszug des Radfahrens für die Energie- und Verkehrswende aber auch für Freizeit, Fitness, Urlaub und Gesundheit voranzutreiben.“ 

    Die 31. Eurobike ist von Mittwoch, 21. bis Sonntag, 25. Juni 2023 jeweils von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Festival Days: Samstag und Sonntag. Weitere Informationen unter: www.eurobike.com. 

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